Investieren in Chile
Das südamerikanische Land gehört zu den wichtigsten Rohstofflieferanten für die Weltwirtschaft. Über 75 Prozent der Exporteinnahmen entfallen auf Rohstoffe. Vor allem bei Kupfer spielt Chile eine entscheidende Rolle. Chiles Kupferminen fördern rund 30 Prozent des globalen Angebots an Kupfer. Aber auch in Sachen Lithium dürfte man mit seinen Ressourcen in den kommenden Jahren eine führende Position einnehmen. Lithium ist Grundstoff für die Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien, die Kernbestandteil der Motoren für Elektrofahrzeuge sind. Große Lithiumvorkommen liegen im Norden des Landes, in der Atacama-Wüste.
Besonders interessant ist die Tatsache, dass Chile die zurückliegende Finanzkrise gut meistern konnte. Zwar verzeichnete man auch hier einen stärkeren Exporteinbruch, vor allem die Kupferausfuhren kamen kurzfristig unter Druck. Chilenische Finanzinstitute jedoch hatten durch strikte Regulierung des Finanzmarktes und hohe Reserveanforderungen keinen deutlich erhöhten Finanzierungsbedarf. Zudem war die Verschuldung des öffentlichen Sektors so gering, dass sich zusätzliche Ausgaben, etwa zur Stützung der Exportwirtschaft, nicht negativ auf die Stabilität der Staatsfinanzen ausgewirkt haben.
Dennoch wurde die hohe Exportabhängigkeit, die dem Land zu diesem Wohlstand verholfen hat, auch als Achillesferse identifiziert. Die Wertentwicklung des lokalen Aktienmarktes hängt damit sehr stark von der Entwicklung, vor allem der Kupferpreise ab. Sollte die Nachfrage nach dem drittgrößten Metall nachhaltig wegbrechen, könnte das verheerende wirtschaftliche Konsequenzen für Chile haben.
Heute aber steht Chile auf gesunden Beinen. Das spiegelt sich auch im Wirtschaftswachstum wider. So ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal 2010 im Vergleich zum Vorjahresquartal um 6,5 Prozent gewachsen. Das ist das größte Plus seit fünf Jahren. Entsprechend positiv schaut auch der chilenische Präsident Sebastián Piñera in die Zukunft. Auf einer Konferenz von Kleinunternehmern prognostizierte er vor kurzem für das laufende Jahr ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von fünf Prozent. Dies ist deutlich mehr, als von vielen Marktexperten zum Jahresanfang vorausgesagt.
Aufgrund der niedrigen Verschuldung und den guten Wachstumsaussichten hat die Rating-agentur Moody’s die Bonität für chilenische Anleihen im Mai sogar um eine Stufe angehoben auf Aa3. Im ersten Halbjahr 2010 erzielte der chilenische Staatshaushalt einen Überschuss in der Höhe von 0,8 Prozent des BIP.
Chile gehört damit zu einer Gruppe von Staaten, die mehr und mehr aus dem Windschatten der großen bekannten Emerging Markets China, Indien, Brasilien und Russland heraustreten. Andere Länder, die man zu dieser Gruppe zählen kann, sind etwa Bangladesh, Sri Lanka, Kolumbien und Nigeria. All diesen Nationen wird von Experten eine starke Wirtschaftszukunft vorausgesagt. Das liegt unter anderem daran, dass sie eine junge Bevölkerungsstruktur haben, an die großen Wachstumszentren dieser Welt grenzen und/oder über hohe Rohstoffvorkommen verfügen. Ohnehin haben sich die Zeiten deutlich geändert. Waren es früher die westlichen Industrieländer, die die Weltwirtschaft am Laufen hielten, sind es heute die Schwellenländer, die Emerging Markets, die dank ihrer dynamischen wirtschaftlichen Entwicklung dafür sorgen, dass das Wirtschaftswachstum in den westlichen Industrieländern trotz vielerlei Probleme nicht zum Erliegen kommt. Chile gehört dazu.
Quelle: lifepr / The Royal Bank of Scotland N.V.
Kategorie: Markt
